Parkresidenz
Helmine Held

Nach über 75 Jahren im Dienste der Menschlichkeit verstarb OS Afra Lacher

Grünwald I 12.02.2019

Zum Trauergottesdienst in der Parkresidenz Helmine Held versammelten sich am 30. Januar 2019 zahlreiche Gäste, um Oberschwester Afra Lacher das letzte Geleit zu geben. Die 95-Jährige gehörte zu den wenigen, noch überlebenden Rotkreuzschwestern, die noch während der letzten Kriegsjahre die Krankenpflegeausbildung aufnahmen.

Oberschwester Afra Lacher zählt zu den Mitgliedern der Schwesternschaft München vom BRK e.V., die ihr gesamtes Berufsleben als Rotkreuzschwester verbracht haben. In diesem Jahr wären es 77 Jahre geworden, seit sie als junge Frau die Krankenpflegeausbildung am Münchner Rotkreuzplatz begonnen hatte. Geboren 1923 als Landwirtstochter im schwäbischen Neuweiler, reifte früh in ihr der Wunsch, Krankenschwester zu werden. Bevor sie diesen Traum in die Tat umsetzen konnte, kam allerdings der Einberufungsbefehl zum Reichsarbeitsdienst. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs war dieser sechsmonatige Arbeitsdienst auch auf die weibliche Jugend ausgedehnt worden. Afra Lacher musste im niederbayerischen Aidenbach ihrer „Frauendienstpflicht" nachkommen und dort im Straßen- und Brückenbau schwere körperliche Arbeit verrichten.

Am 15. November 1942 war es endlich so weit: Sie trat als Schülerin in die Schwesternschaft München ein. Gemeinsam mit den Kurskolleginnen erhielt sie ein gestärktes Häubchen, graue Dienstkleidung mit weißem Bubikragen und Rotkreuz-Brosche, um die zweijährige Krankenpflegeausbildung zu absolvieren. Schnell wurde ihr klar, dass im OP-Dienst ihre Bestimmung lag. Frisch examiniert, folgten arbeitsreiche Jahre in den Operations-Abteilungen der Münchner Universitäts-Poliklinik, der Universitätsklinik Gettenbach/Frankfurt und im Rotkreuz-Krankenhaus an der Nymphenburger Straße. 1968 wechselte die mittlerweile erfahrene OP-Schwester in die Frauenklinik an der Taxisstraße. Bald darauf übertrug die damalige Generaloberin Helmine Held Schwester Afra die Position der Oberschwester der renommierten Frauenklinik. Oberin Anni Hipp, pensionierte Rotkreuzschwester und als langjährige Oberin des Rotkreuz-Krankenhauses ihre ‚Oberschwestern-Kollegin' in der Nymphenburger Straße, erinnert sich: „Afra war eine überaus engagierte, pflichtbewusste Rotkreuzschwester. Sie führte die Frauenklinik elf Jahre lang mit fester, aber dennoch mütterlicher Hand." In die letzten Jahre ihrer aktiven Dienstzeit fiel die umfangreiche Sanierung und Erweiterung der Frauenklinik, einer Baumaßnahme mit einem Umfang von etwa 70 Millionen DM. Nicht zuletzt für diese zusätzliche Aufgabe erhielt Lacher das DRK-Ehrenzeichen sowie die goldene Leistungsspange des DRK für außergewöhnliche, hervorragende Verdienste.

Nach ihrer Pensionierung Anfang 1990 beteiligte sich Oberschwester Afra weiterhin aktiv am Vereinsleben. Neben ihrer regelmäßigen Teilnahme an Bundeskongressen und Studienreisen kümmerte sie sich rührend um ältere Mitglieder im Ruhestand und sprang bei Personalengpässen in der Zentralverwaltung schon einmal in die Bresche. Mit Nachlassen ihrer gesundheitlichen Kräfte siedelte sie 89-jährig in die Parkresidenz Helmine Held über, in der sie am 23. Januar 2019 im Alter von 95 Jahren verstarb. Heimleitung Heidi Sogawe wird sie ehrend im Gedächtnis behalten: „Mit ihrer bescheidenen, einfachen Art war sie für mich immer ein großes Vorbild. Mit ihr stirbt eine Generation von Rotkreuzschwestern, die ihr gesamtes Berufs- und Privatleben in den Dienst der Schwesternschaft gestellt hat."

 

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